Winter 2022

Naturfreunde Deutschlands e.V. — Winter 2022

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Vom Arbeiterwandern zum sozialökologischen Freizeitverband

Als sich die Naturfreunde 1895 in Österreich als „touristische Gruppe“ gründeten, dachte wohl niemand an Aktivitäten Afrikas Bildung. Bildung sowie der Fotografie. Schon 1924 gründeten sich die Naturfreunde Schierstein im Rechtebachtal. Gefeiert wurde dann im Saalbau 3 Kronen. 1928 eröffneten die Naturfreunde Schierstein ihr erstes Naturfreundehaus, genannt „Heidehäuschen“ auf dem Freudenberg. Auch wenn es zwischen Naturschützern und -nutzern immer wieder Redebedarf gab, wurden Erholung, Natursport, der Schutz der Umwelt und sozialer Fortschritt als Einheit gedacht. Selbst als die Naturfreunde 1933 von den Nazis verboten und enteignet wurden, gelang es mancherorts noch jahrelang, heimlich gemeinsame Wanderungen weiterzuführen und Versammlungen zu organisieren. Die Schiersteiner trafen sich trotz Verbot in der Nähe des grauen Steins. Friedrich Schiller verfasste das Gedicht, „Die Illegalen“.

Die Naturfreunde erkannten sehr früh die Problematik der Ausbeutung des afrikanischen Kontinents und entwickelten eine eigene Form wirtschaftlicher Hilfe und Zusammenarbeit. Seit 2013 engagieren sich die Naturfreunde Senegal mit Unterstützung der hessischen Naturfreunde für die Wiederaufforstung von Obstbäumen und unterstützen damit die Menschen in den ländlichen Regionen des Senegal bei der Anpassung an die Auswirkungen des Klimawandels.

Besonders Marlies und Dieter Suppes engagieren sich für dieses Projekt. Die Wirtschaft der meisten Dörfer in den Ländern der Sahelzone, ist stark von der Landwirtschaft abhängig und von den Auswirkungen des Klimawandels besonders betroffen. Die ohnehin schon geringen Niederschläge nehmen durch die vom Menschen verursachte Erderwärmung weiter ab. Dazu kommen Rodungen der Wälder und Baumbestände zur Brennholzgewinnung oder zur Gewinnung von Acker- und Weideland. Beides gemeinsam führt zur Zerstörung der Lebensgrundlage der Bevölkerung, mit der Armut und Abwanderung einherge­hen. Deshalb riefen die Naturfreunde das Projekt „1000 Bäume für den Senegal“ ins Leben.

Mamadou Mbodji, Vizepräsident der Naturfreunde Internationale und Vorsitzender des Afrika-Netzwerks der Naturfreunde war im Heidehäuschen in Wiesbaden zu Gast und berichtete über die Situation vor Ort. „Hilfe zur Selbsthilfe“, das ist nur die eine Seite der Medaille, auf der anderen Seite steht nach wie vor die Gesamtverantwortung der industrialisierten Welt an der prekären Situation in vielen Ländern Afrikas. „Ich rede von Klimakrise und nicht vom Klimawandel,“ sagte Mamadou Mbodji, „in dieser Krise muss dringend gehandelt werden“. Landwirtschaft und Viehzucht sind wichtige Pfeiler in der Entwicklung des Kontinents. Aber, die Landwirtschaft kämpft gegen den Rückgang durch Austrocknung der Böden und dem damit verbundenen Schwund in der Viehzucht. Mit dem Anbau von Obstbäumen sollen Lebensgrundlagen der Familien entstehen und verbessert werden. Dazu werden der Dorfbevölkerung Bildungsaktivitäten zur Verbesserung des Bewusstseins einer nachhaltigen Landwirtschaft angeboten. Das Angebot richtet sich insbesondere an die Frauen in den Dörfern, die sich traditionell um die Gärten kümmern. Sie erhalten durch das Projekt vor allem die Chance, das gewonnene Obst zukünftig zu vermarkten und so entscheidend zum Familieneinkommen beizutragen und ihre Stellung in den Familien so zu stärken oder zu verbessern. Energieknappheit, Nahrungsmittelkrisen, ein starkes Bevölkerungswachstum und eine hohe Arbeitslosigkeit hemmen die Entwicklung des Landes. Unser nächstes Ziel: Mindestens 2000 Bäume sollen in den 4 Dörfern für die Dorfgemeinschaften angebaut werden.

Arno Enzmann

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