Sommer 2024

Naturfreunde Deutschlands e.V. — Sommer 2024

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NATURFREUNDE DEUTSCHLANDS E. V.

100 Jahre Naturfreunde Schierstein – vom „Touristikverein“ zum „Verband für Umweltschutz, sanften Tourismus, Sport und Kultur“

Wo finden die Schiersteiner den Verein der Naturfreunde? Ein helles, modernes Holzhaus, versteckt unter Bäumen auf dem Freudenberg in der Freudenbergstrasse 241. Schon durch die Adresse wird deutlich, dass der Verein „Naturfreunde Schierstein“ etwas älter sein muss. Immerhin stolze 100 Jahre und vor allem von Ortstreue geprägt. Der Freudenberg war in dieser Zeit angesagter Treffpunkt der Schiersteiner Jugend. Hier traf man sich, hier wurde gefeiert, geflirtet und manch eine Ehe fand hier ihren Anfang. Und genau hier steht seit 1928 das Heidehäuschen in der dritten Generation. Ein Schiersteiner Vereinshaus auf Dotzheimer Gelände, aber wie kam es denn dazu? 1924, auch Schierstein, damals noch selbstständige Gemeinde erlebte durch den industriellen Boom der 20er Jahre einen starken Aufschwung. Der Hafen wurde ausgebaut, die Wiesbadener Straßenbahn angeschlossen und neue Arbeitsplätze entstanden. Doch an der wachsenden Industrie hatten die Industriearbeiter kaum einen Anteil, viel mehr mussten schon Erreichtes als soziale Errungenschaften verteidigt werden. Ja, da war zunächst die Sehnsucht der Industriearbeiter und ihrer Familien aus dunklen, engen Wohnverhältnissen nach mehr Bildung und Erholung in freier Natur. Von einer harten sechs-Tagewoche und dem zwölf Stundentag kam die Parole der Naturfreundebewegung „8 Stunden Arbeit, 8 Stunden Schlaf, 8 Stunden Freizeit gerade recht und fand dann auch in Schierstein viele Anhänger. Im auch noch heute üblichen Gruß „Berg Frei“ manifestiert sich die Sehnsucht der damaligen Zeit nach mehr Freiheit und Selbstverwirklichung der Industriearbeiter. Gemeinsame Wanderungen und gemeinsame Aktivitäten führten unweigerlich zu dem Wunsch nach einem eigenen Ort zum Bau eines eigenen Hauses, des ersten Heidehäuschens. Am 13. Juli 1924 war es dann so weit. Naturfreunde-Gruppen aus Mainz, Wiesbaden, Trebur, Mombach und Ginsheim zogen ins Rechtebachtal (früher: Reckbachtal), nahe des Grauen Steins, nicht ohne eine Gruppe Schiersteiner in ihre Mitte zu nehmen. 29 Erwachsene und 5 Kinder empfingen die Naturfreundetaufe mit Rechtebachwasser. Damit war der Verein gegründet. Schon damals führte die Unterordnung in eine hemmungslose industrielle Wachstumsphilosophie für Unbehagen. Die Ausbeutung des Menschen und der Natur zu bekämpfen war das Ziel der jungen Naturfreundebewegung. Und erstaunlich, dieses Ziel fand dann 80 Jahre später im UN-Leitbild der nachhaltigen Entwicklung seinen Niederschlag. Dass die freiheitlichen Ziele der Naturfreunde mit der Hitlerdiktatur kollidierten, liegt auf der Hand. 1933 wurde der Verband verboten, das Heidehäuschen geplündert und zerschlagen. Die Naturfreunde trafen sich fortan illegal in den Wäldern um Schierstein. Mit viel Einsatz und nach langem Kampf um die Rückgabe des Geländes wurde das zweite Haus 1955 als Provisorium wieder aufgebaut und schließlich 2015 ersetzt durch ein Haus nach modernen Gesichtspunkten in Niedrigergiequalität. Viele Prominente haben das Gesicht des Verbands geprägt. Alfred Schumann in Schierstein, Phillip Holl in Wiesbaden und Bundeskanzler Willi Brandt gehörten dazu. Heute nun greift der Verein die Themen auf, die der alten Sehnsucht entsprungen sind, Natursport in dem die Sparten Klettern, Wintersport und vor allem, Paddeln und Kanu – wer hat schon ein solches Angebot, den Schiersteiner Hafen vor der Tür. Weiteres, wichtiges Standbein ist und bleibt das Wandern. In unterschiedlichen Anforderungen vom Spaziergang bis zu Wanderfreizeit reichen die Angebote. Initiativen im Umweltschutz zeigen sich in den Solarmodulen auf dem Dach des Heidehäuschens mit einer Ladesäule für e-mobilität, die in Eigenhilfe errichtet wurden.

Viel zu feiern also, am 13. 07. mit einer Wanderung vom Heidehäuschen zum Taufbecken ins Rechtebachtal, danach Mittagessen der Wanderer. Ab 14:00 Uhr, Ansprachen, Interviews mit Schiersteiner Naturfreundortsgesteinen. Präsentation mit Bildern – Schierstein im Jahre 1924. Nähere Informationen Unter: www.naturfreunde-in-wiesbaden.de

Arno Enzmann

[Bildunterschriften: „1931, das erste Heidehäuschen wird eingeweiht“ / „Am Taufort im Rechtebachtal“]

Termine

  • 13.07. – ganztägig, Ansprachen ab 14:00 Uhr – 100-Jahr-Jubiläum: Wanderung vom Heidehäuschen zum Taufbecken ins Rechtebachtal, danach Mittagessen der Wanderer. Ab 14:00 Uhr Ansprachen, Interviews mit Schiersteiner Naturfreundortsgesteinen, Präsentation mit Bildern – Schierstein im Jahre 1924. – (Heidehäuschen / Rechtebachtal, Schierstein)
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