Ostern 2023

Naturfreunde Deutschlands e.V. — Ostern 2023

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NATURFREUNDE DEUTSCHLANDS E. V.

Wer waren Alfred Schumann und Friedrich Schiller?

Zuvorderst waren sie die Urgesteine der Ortsgruppe Schierstein im Verband des Touristenvereins die Naturfreunde. Es war ihre Idee, nicht nur die Ortsgruppe Schiersten zu gründen, sondern sie auch mit einem Wanderheim auf dem Freudenberg zu manifestieren. Vom 1. Tag an wurde das Wanderheim trotz geringer Geldmittel in vielen Stunden mühsamer Eigenleistung der Mitglieder gebaut und „Heidehäuschen“ genannt Das Gelände war nur mühsam über die sogenannte Letschhohle zu erreichen, die Freudenbergstrasse gab es damals noch nicht. Alfred Schumann, geb. 1898 Beruf Werkmeister, Gründungsmitglied und der erste Ortsgruppenvorsitzende im Gründungsjahr 1924, Naturkundler, Geologe, Botaniker und Fotograf und Naturkundeferent im hessischen Landesverband. Nur für den Fall, dass jemand eine Erklärung für den Straßennamen sucht, nach 1945 war er zudem auch Stadtverordneter der Stadt Wiesbaden und erster Ortsvorsteher Schiersteins. Freund und Begleiter war Friedrich Schiller, geb. 1903, Beruf Werkzeugmacher und Schlosser mit gleichen Hobbys ausgestattet, auch er war Mitbegründer der Schiersteiner Naturfreunde, Vorstandsmitglied vor 1933 und nach 1945. Er war wohl der Schöngeist der beiden, der viele Wandergeschichten zum Teil in Gedichtform verfasst hat. Unvergessen seine humorvolle Schilderung der Erdgeschichte in der Naturfreundezeitschrift „Lug ins Land“. Beide waren politisch aktiv und zudem entschiedene Gewerkschafter. Friedrich Schiller hat aber auch ein einzigartiges Zeitdokument hinterlassen. Überschrieben mit dem erklärenden Titel: „die Illegalen“.

Am 1. Mai jährt sich nun zum 90. Mal der brutale Eingriff in das Lebenswerk Alfred Schumanns und Friedrich Schillers und damit auch der aufblühenden Ortsgruppe der Naturfreunde Schierstein. Am 1. Mai 1933 wurde, wie auch alle anderen Naturfreundehäuser das Schiersteiner Heidehäuschen vom preußischen Staat enteignet und beschlagnahmt, die Naturfreunde Schierstein als staatsfeindliche Organisation verboten und enteignet. Die in liebevoller Kleinarbeit zusammengetragene geologische Sammlung, Mitbringsel von vielen Wanderungen wurden von den Naziorganisationen, die sich im Heidehäuschen breit gemacht hatten, zerschlagen und die Einrichtung aus den Fenstern geworfen. Am Ende wurde das ganze Haus verwüstet und abgerissen. Einige Teile der Sammlung konnten gerettet werden und sind noch heute in einer Vitrine im „Heidehäuschen 3.0″ ausgestellt.

Trotz Verfolgung und Strafandrohung, den Geist der Naturfreunde, den Willen und das Zusammengehörigkeitsgefühl konnten die Nazis nicht vernichten. Man traf sich schon ab dem Sommer heimlich an verschiedenen Orten und versuchte die Gruppe zusammenzuhalten. Gemeinsam mit Freund Klaus Dorn, nannte man das Ganze „Familientreffen“. Im Gedicht „die Illegalen“ heißt es: „Im tiefen Wald, weit ab vom Wege, wo kein Verkehr, kein Mensch war dort, wo sonst nur Wild und Jagdgehege, unser Lagerplatz an sich’rem Ort, als Tisch ein Stamm von dicksten Eich, der Himmel unser Zelt, so tagten wir im dritten Reiche, das war so unsere Welt“. Im Gedicht steht für das Jahr 1945: „das Ringen war zu Ende, Amerika am Rhein. Schon sind wir im Gelände, doch Wandern darf nicht sein. Und trotzdem gehts ins Freie, wenn wir auch klein an Zahl, zu viert, zu fünft, zu dreie, wir wandern wieder illegal. Bis Kriegsende gab es diese Treffen und schon im Dezember 1945 begann der Kampf um die Rückgabe des Grundstücks auf dem Freudenberg. Alfred Schumann war zum 1. Vorsitzenden der Schiersteiner Naturfreunde gewählt worden. Aber es dauerte noch bis zum 25. September 1955 bis auf den Grundmauern des von den Nazis zerstörten Heidehäuschen 1 das neue Heidehäuschen errichtet werden konnte. So lange dauerte der Kampf um die Rückgabe des Grundstücks und der Wiederaufbau des Heidehäuschens 2 konnte beginnen. Auch das zweite Naturfreundehaus wurde wieder mit wenig Kosten und viel Eigenleistung errichtet.

Arno Enzmann

Termine

  • 1. Mai (90. Jahrestag, bezogen auf den 1. Mai 1933) – 90. Jahrestag des brutalen Eingriffs in das Lebenswerk Alfred Schumanns und Friedrich Schillers – Enteignung und Beschlagnahmung des Schiersteiner Heidehäuschens durch den preußischen Staat (1933) – (Schierstein / Freudenberg)
  • 25. September 1955 – Einweihung des neuen Heidehäuschens auf den Grundmauern des von den Nazis zerstörten Heidehäuschens 1 – (Freudenberg, Schierstein)
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