Geschichte des Schiersteiner Hafens seit der Entstehung 1856
Beim Durchblättern meines „Archivs“ habe ich entdeckt das der Bau des Hafens 1856 also vor 170 Jahren begann.
1852 wurde ein Schutzhafen für die Rheinschifffahrt bei Hochwasser und Treibeis auf dem Rhein gesucht. Ebenso war es wichtig einen Lager- und Bauplatz für die Flöße zu finden. Die beiden vorgelagerten Inseln, das Große und Kleine Wörth, bildeten einen natürlichen Durchlass, der bei höherem Wasserstand als Durchfahrt auf den Rhein genutzt werden konnte. Somit war es möglich zwei Dämme im Osten und Westen vom Festland her zu ziehen um einen Schutzhafen von 1.000 m Länge und 235 m Breite zu erhalten. Im Westen des Rheinarms war ein Versandungsgebiet der sogenannte „Anbau“, der auch Bauernaue genannt wurde. Hier befinden sich heute der der Wassersport Wiesbaden und der Motorbootclub Mittelrhein.
Bild: Schutzhafen im Winter 1929
Vom heutigen Hafenweg wurde im Osten von Schierstein quer zum Strom ein etwa 285 m langer hoher Damm aufgeschüttet, der in einem Bogen auf die östliche Spitze der heutigen Bismarksaue zulief. Auf dieser Aue befindet sich heute u.a. das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Außenbezirk Wiesbaden (WSA).
Beim östlichen Damm musste die Böschung durch einen schrägen Steinwall geschützt werden. Dieser wurde zwischen dem eigentlichen Uferstreifen zwischen Schierstein und Biebrich errichtet. Dieser Wall endete auf der Höhe des heutigen Wiesbadener Kanuvereins und verschloss den früheren alten Rheinarm. Dieses stille Wasser in den Kribben war sehr fischreich und diente bis in die 1930er Jahre den Fischern als ertragreiches Fanggebiet. Die Schnaken hatten hier ein großes Brutgebiet und waren im Sommer eine echte Plage. 1856 erteilte die Herzogliche Nassauische Regierung in Wiesbaden der Wasserbauinspektion Biebrich den Auftrag für den Baubeginn des Schutz- und Floßhafens.
Am 30. Oktober 1858 wurde der Rheinhafen bei Schierstein im Herzogtum Nassau eröffnet und diente von da an als Schutzhafen bei Hochwasser und Treibeis auf dem Rhein. Konnten auf dem Rhein wegen Treibeis oder Hochwasser keine Schiffe fahren, lagen diese zum Teil wochenlang im Hafen fest. In dieser Zeit hatten die Geschäfte und Gasthäuser in Schierstein einen zusätzlichen Verdienst.
Der Hafen war zur Eröffnung im Westhafen noch nicht geschlossen. Dieser Damm konnte im August 1859 fertiggestellt werden.
1923 kam es zu einer Erweiterung des Hafens im Westen. Der Aushub dieser Maßnahme diente zur Erhöhung des Dammes zwischen Schierstein und Walluf, um die Wasserversorgung der Stadt Wiesbaden sicherzustellen. Der Hafen hatte nun eine Länge von 1457 m und eine Breite von 235 m. Das Sumpfgebiet jenseits des Dammes wurde dadurch trockengelegt. Heute sind hier die Brunnen von Hessenwasser GmbH & Co. KG und die Störche haben hier seit 1972 wieder eine Heimat gefunden.
Der Damm vor der Erweiterung, der sogenannten „alten Damms“, befindet sich in etwa auf Höhe der Einmündung des Lindenbachs etwas Richtung Biebrich und ist im Wasser verschwunden. Überquert man mit einem Paddelboot bei starkem Niedrigwasser den „alten Damm“ kann man das Boot verlassen dort stehen und sie Aussicht genießen.
Bild: Hafen in der Gemarkungskarte von 1889
Daten zum Schiersteiner Hafen
Der Hafen wird einen staatlichen und einen städtischen Besitz (der Teil der 1923 ausgehoben wurde) aufgeteilt. Der staatliche Besitz hat eine Länge von 1157 m, eine Breite von 220 bis 250 m und die Hafenmündung eine Breite von 75 m. Der städtische Besitz hat eine Länge von 350 m und eine Breite von 220 bis 250 m.
Irmgard Hassenbach
Bilder: Schiersteiner Heimatmuseum