Verantwortung und Gemeinschaft: Ein persönlicher Einblick in den Wasserrettungsdienst
Die DLRG ist vielen in Deutschland durch den Schwimm- und Rettungssport bekannt. Auch haben bestimmt einige bereits DLRGler in ihrer roten Kleidung beim Wachdienst oder bei Einsätzen in der Wasserrettung gesehen. Was den meisten nicht bewusst ist: Die DLRG ist keine staatliche Institution, sondern deckt den Großteil der Wasserrettung in Deutschland vollständig durch ehrenamtliche Mitglieder ab. Die Verantwortung, die die Tätigkeit in der Wasserrettung mit sich bringt, sollte jedoch niemanden davon abhalten, sich bei der DLRG zu engagieren. Es mag wie eine große Welle wirken, die auf einen zukommt, doch man muss nicht zwingend ins kalte Wasser springen. Ich selbst bin seit meiner Kindheit immer im Bereich der Schwimmausbildung und des Rettungssports aktiv gewesen, ohne in anderen Bereichen tätig zu sein. Dabei habe ich in meiner alten Ortsgruppe sowie bei der DLRG-Schierstein die Gemeinschaft und die Mitglieder im Verein schätzen gelernt.
Als ich vor 16 Jahren der DLRG beigetreten bin – mit damals acht Jahren – war ich, wie so viele andere, Teilnehmer eines Schwimmkurses. Dort habe ich meine Schwimmabzeichen und schließlich auch den Rettungsschwimmer Silber gemacht. Zwar hatte ich immer wieder Berichte von Kameraden über ihre Einsätze oder Wachdienste (an Küste und See) gehört, aber da meine Ortsgruppe keine bewachten Gewässer betreute, blieben diese Erzählungen für mich abstrakte Möglichkeiten. Vor allem die Bereiche Wasserrettung und Sanitätswesen hatten mein Interesse geweckt. Mit dem Umzug nach Wiesbaden 2018 war es dann so weit: Ich trat der Kreisgruppe Wiesbaden und Schierstein e.V. bei und startete meinen Weg in den Wasserrettungsdienst.
Insgesamt hatte ich vor Beginn dieses Ausbildungswegs nicht erwartet, dass so viele verschiedene Module abgelegt werden müssen und wie umfangreich und facettenreich die Ausbildung ist. Ich bin jedoch froh darüber, sowohl aus der Perspektive einer Person, die sich auf die DLRG verlässt, als auch als jemand, der später aktiv im Einsatz tätig sein möchte. Denn so kann ich, können wir uns sicher sein, dass die Einsatzfähigkeit garantiert ist.
Den Start machte ich in der Sprechfunkausbildung. Dabei steht die sichere und effiziente Kommunikation im Einsatz im Mittelpunkt. Wir übten das Durchführen von Lagemeldungen und Positionsangaben nach standardisierten Vorgaben.
Überrascht hatte mich, wie schwierig es ist, sich im Funkgespräch kurz zu fassen und nicht in die normale Sprechweise zu verfallen, und dennoch alle notwendigen Informationen zu übermitteln. Die Funkgesprächsweise kann und sollte durchaus häufig geübt werden. Gleichzeitig hat es Spaß gemacht, für unterschiedliche Situationen zu überlegen, wie man den Funkspruch absetzt, und wie schwierig plötzlich etwas Einfaches wie die Beschreibung dessen, was man sieht, werden kann.
Mitte Februar nahm ich dann an der „Basisausbildung Einsatzkräfte“ teil. Team- und Konfliktfähigkeit, Fahrzeug- und Materialkunde, Knotenkunde, Strukturen des Wasserrettungsdienstes und des Katastrophenschutzes – die Vielfalt der Inhalte war anspruchsvoll und hat für mich verdeutlicht, wie vielseitig eine Einsatzkraft sein muss. Die Wasserrettung erfordert eine gute körperliche Fitness, aber ebenso umfassende Kenntnisse des Gewässers, des Einsatzmaterials und des richtigen Verhaltens im Einsatz. Ebenso muss man als Einsatzkraft besonnen in Einsätzen und gut im Team agieren können, da sich hier jeder aufeinander verlassen muss. Am letzten Aprilwochenende stand schon der nächste Lehrgang auf dem Programm: die Aufbaumodule für den Wach- und Wasserrettungsdienst. Früh am Morgen setzten wir zur Rettbergsaue über, wo wir das Retten mit und ohne Rettungsgeräte aus dem Wasser übten. Für mich war es das erste Mal, dass ich überhaupt im Rhein schwamm – angenehmerweise im Neopren – und dementsprechend aufgeregt war ich vor der Übung. An der Rettbergsaue waren wir jedoch von der schnellen Strömung abgeschirmt und konnten so in Ruhe unsere Erfahrungen ausbauen. Im Anschluss ging es mit dem Boot auf den offenen Rhein hinaus, wo wir in der Gruppe das „passive Schwimmen“ und das „aktive Schwimmen“ übten. Während es beim passiven Schwimmen darum ging, sich die Strömung zunutze zu machen und sich in einer Position treiben zu lassen, die die Verletzungsgefahr minimiert und einem einen Überblick über die Situation ermöglicht, ist das aktive Schwimmen zum schnellen Überwinden kurzer Strecken gedacht, etwa um eine verunfallte Person zu erreichen oder einen Fluss bei starker Strömung zu überqueren. Auch wenn ich mir zuvor vorstellen konnte, welcher Kraftaufwand nötig sein würde, war es unerwartet schwierig, den Fluss mittels des aktiven Schwimmens zu queren, ohne zu weit abgetrieben zu werden oder vom Kurs abzukommen. Anschließend übten wir das Bergen verunglückter Personen, wobei sich zeigt, wie wichtig die Zusammenarbeit der Bootsmannschaft ist. Neben den ausführlichen theoretischen Vertiefungen war vor allem der praktische Teil Gold wert.
Man muss sich nicht in den Einsatz stürzen, wenn man das nicht möchte oder kann. Doch jeder Beitrag, egal wie klein er erscheinen mag, wird geschätzt und ist wertvoll. Bei mir kommen durch Studium und Arbeit oft logistische Schwierigkeiten auf, doch die Zeit und Energie, die man investiert, lohnen sich. Wenn man sich einbringen möchte, findet sich immer ein Weg.
Tolle Möglichkeiten, die DLRG kennenzulernen, sind öffentliche Veranstaltungen wie das Stromschwimmen am Hafenfestsamstag. Hier unterstützt die DLRG-Schierstein nicht nur, sondern organisiert seit über 90 Jahren traditionell ein Stromschwimmen. Dies ist eine wunderbare Gelegenheit, einmal im Rhein zu schwimmen – abgesichert von den roten Helfern. Für Kinder und Jugendliche, die die Wasserrettung kennenlernen wollen, lohnt sich ein Blick auf das Jugend-Einsatz-Team. Diese „Nachwuchsabteilung“ der Retter bietet viele Einblicke und Erfahrungen. Ich bin auf jeden Fall gespannt, welche ich in der Zukunft noch machen werde, und freue mich auf die gemeinsame Zeit mit den Kameraden auf unserer Station an der Schiersteiner Hafenspitze.
Feylin Karaman
www.wiesbaden-schierstein.dlrg.de
Termine
- Mitte Februar – Basisausbildung Einsatzkräfte (Team- und Konfliktfähigkeit, Fahrzeug- und Materialkunde, Knotenkunde, Strukturen des Wasserrettungsdienstes und des Katastrophenschutzes)
- Letztes Aprilwochenende – Lehrgang: Aufbaumodule für den Wach- und Wasserrettungsdienst; Übungen an der Rettbergsaue (Retten mit/ohne Rettungsgeräte, passives und aktives Schwimmen im Rhein, Bergen verunglückter Personen) – (Rettbergsaue / Rhein)
- Hafenfestsamstag – Stromschwimmen – öffentliche Veranstaltung, seit über 90 Jahren traditionell organisiert von der DLRG-Schierstein – (Schiersteiner Hafenspitze / Rhein)