Ausbildung unserer Wasserretter – vom heißen Wachdienst bis zum Einsatz
„30 Grad im Schatten, der Rhein glitzert – und unsere Wasserretter trainieren. Ob Hitzeschutz, Tauchsignale oder Rettung in strömenden Gewässern: Bei uns bleibt niemand stehen. Vom Nachwuchs bis zum Routinierten bauen wir Fähigkeiten aus – für den Moment, in dem jede Sekunde zählt.“
Bei 30 °C im Schatten und beinahe wolkenlosem Sonnenschein hängt der DLRG-Adler regungslos am Flaggenmast, eine Brise ist aussichtslos zu erhaschen. An einem solchen Sommertag lädt der Rhein alle Wassersportliebhaber ein, sich eine Abkühlung zu suchen. Doch wenn es sich im Schatten kaum aushalten lässt, lassen sich auch die Gefahren der Hitze nicht unterschätzen. Darum stand während des Wachdienstes eine Wiederholung der Erkennung und Erstversorgung bei Hitzeschäden auf dem Programm. Anschließend trainierten die Aktiven die Nutzung des Spineboards – und auch unsere neuesten Nachwuchsretter waren bei der Praxisübung dabei.
Im Ernstfall sind unsere Wasserretter bereit, alles stehen und liegen zu lassen, um andere zu retten. Sie opfern ihre Freizeit, und wenn es darauf ankommt, treten sie bei Meldung sogar außerhalb der Wachdienstzeiten zum Einsatz an. Für eine einsatzbereite Mannschaft ist daher eine kontinuierliche Ausbildung essenziell. Ob neue Mitglieder oder erfahrene Einsatzkräfte – alle bleiben durch regelmäßige Übungen während des Wachdienstes fit und einsatzbereit. Dabei stehen häufig Erste Hilfe, Fahrzeug- und Gerätekunde oder Rettungstechniken auf dem Plan.
Ausbildung unserer Einsatzkräfte
So wie die Hitze an diesem Tag zur Ausbildung passte, gehören auch andere Szenarien fest in den Jahresplan – dazu zählen besonders die praxisnahen Übungen im Bereich Tauchen. Nachdem Anfang des Jahres mit dem Schnorchelauchkurs erfolgreich der erste Schritt in die Tauchausbildung getan war, begrüßen wir nun fünf frischgebackene Signalmänner und -frauen in der Mannschaft. Ihre Ausbildung bereitet sie auf die Zusammenarbeit mit den Einsatztauchern vor und beinhaltet neben wichtigen Kommunikationstechniken und Tauchsignalen auch Kenntnisse über die Aufgaben der Taucher und die Sicherung des Informationsflusses mit ihnen. Sie sichern die Taucher durch eine Leine vor Gefährdungen im Einsatz. Vor allem für diejenigen unter den Teilnehmern, die in ihrer Freizeit bereits getaucht sind, zeigt das Einsatztauchen einen starken Kontrast auf – insbesondere durch den hohen Grad an Verantwortung, strukturierte Abläufe und Sicherheitsstandards. Bei uns findet jeder seinen Platz – ob frisch dabei oder schon erfahren. Jede Ausbildung baut auf vorhandenen Fähigkeiten auf und eröffnet neue Wege. So entwickeln unsere Mitglieder ihre Qualifikationen stetig weiter, genau wie unsere neuen Wasserretter. Sie durchliefen ihre Ausbildung in einem Pilotprojekt, das es ihnen erlaubte, statt monatelang oder sogar über ein Jahr verteilt, die Module an einem verlängerten Wochenende zu absolvieren. Dabei kamen aus ganz Hessen Anwärter zusammen und tauschten sich aus. Der Blick über den Tellerrand zeigte: Jedes Gewässer – ob Badesee, Fluss oder Schwimmbad – hat seine eigenen Tücken.
Aha-Momente gab es einige: Zum einen, dass der Einsatz von Rettungsmitteln regelmäßig geübt sein muss. Zum anderen wurde die Schwierigkeit des Schwimmens in strömenden Gewässern betont. „Immer, wenn man denkt, die Strömung im Fluss ist doch gar nicht so schlimm, merkt man: Das geht doch nicht!“ Während die Schiersteiner Wasserretter diese Erfahrung unter gesicherten Umständen machen konnten, zeigen die aktuellen Zahlen der Ertrinkungsopfer in der Zwischenbilanz, dass strömende Gewässer eine weitverbreitete, unterschätzte Gefahr darstellen.
In letzter Sekunde
Das zeigte sich besonders am zweiten Augustwochenende, als die Wasserschutzpolizei unsere ehrenamtlichen Wasserretter während ihres Wachdienstes über einen entkräfteten Schwimmer im Rhein auf Höhe der Ortslage Walluf in Kenntnis setzte. Die betroffene Person konnte wenig später von der Besatzung des Rettungsbootes in der Fahrrinne gesichtet werden und wurde gerade noch rechtzeitig aus dem Wasser gerettet, bevor ein Frachtschiff diese Stelle passierte. Die Person war entkräftet, hatte Krämpfe und stand offensichtlich unter dem Einfluss von Drogen. Sie wurde durch die Einsatzkräfte noch auf dem Boot erstversorgt. Kurz darauf konnte sie an Land an die Besatzung eines ebenfalls alarmierten Rettungswagens und die Polizei übergeben werden. Im Vergleich zum letzten Jahr sind in Hessen die Todesfälle durch Ertrinken um 44 % gestiegen – die meisten ereigneten sich in Flüssen. Auch unseren Einsatzkräften fällt verstörend auf, dass Leichtsinn und Unwissenheit zunehmend Leben gefährden. In diesem Jahr waren es bereits bei 14 Alarmierungen zu Personen im Wasser – 2024 waren es „nur“ elf im ganzen Jahr. Dabei ist der Rhein eine Schifffahrtsstraße und kein Badegewässer. Wer darin schwimmt, spielt mit dem Leben – und gefährdet damit andere! Eine traurige Bilanz, die im Zusammenhang mit dem aktuellen Vorfall eindrücklich die unterschätzten Gefahren des Rheins und die essenzielle Notwendigkeit von besetzten Wasserrettungsstationen an Binnengewässern demonstriert. Nur wegen des Umstandes, dass die Wasserrettungsstation an der Schiersteiner Hafenspitze besetzt war, konnte in diesem Fall das bedrohte Menschenleben gerettet werden. Zur eigenen Sicherheit sollten ausgewiesene Badestellen, überwachte Badeseen oder Freibäder genutzt werden.
Wir bedanken uns bei der Feuerwehr Wiesbaden, der Feuerwehr im Rheingau Taunus Kreis sowie der Wasserschutzpolizei für die gute Zusammenarbeit.
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Maria Mildenberger
Referentin für Öffentlichkeitsarbeit
Termine
- zweites Augustwochenende – Einsatz: Rettung eines entkräfteten Schwimmers im Rhein auf Höhe der Ortslage Walluf; Zusammenarbeit mit Wasserschutzpolizei, Feuerwehr und Rettungswagen – (Rhein, Höhe Ortslage Walluf)
- Anfang des Jahres – Schnorchelauchkurs – erster Schritt in die Tauchausbildung; fünf neue Signalmänner und -frauen in der Mannschaft
- verlängertes Wochenende (Pilotprojekt, Jahr nicht spezifiziert) – Ausbildung neuer Wasserretter im Pilotprojekt – Module komprimiert auf ein verlängertes Wochenende, Anwärter aus ganz Hessen